JPMorgan: Euro-Aktien weiter besser als US-Titel - Keine Dax-Präferenz
Zeit: 09.08.10 13:08
LONDON (dpa-AFX) - Die europäischen Aktienmärkte dürften sich nach Einschätzung von JPMorgan weiterhin stärker als die US-Börsen entwickeln. Als Gründe nannte Analyst Mislav Matejka in einer Studie vom Montag die nachlassenden Sorgen über die Verschuldung einiger europäischer Staaten, die anhaltende Wirtschaftsdynamik und positive Signale aus dem Bankensektor. Allerdings nahm er aus Bewertungsgründen seine Präferenz für den Dax (DAX.ETR) zurück. Des weiteren ist der Experte positiv für die Entwicklung der Schwellenländer-Börsen gestimmt.
Seit Mai diesen Jahres hätten die Euro-Börsen ihre im Vergleich zur Wall Street unterdurchschnittliche Entwicklung umgedreht, führte Matejka aus. Die nachlassenden Sorgen über die Verschuldung einiger europäischer Staaten schlügen sich in den sinkenden Risikoaufschlägen spanischer, griechischer italienischer, irischer und portugiesischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen nieder. Dieser Trend sollte sich fortsetzen, da der Refinanzierungsbedarf an der europäischen Peripherie zurückgehe. Zudem gebe es in Europa anders als in den USA keine Anzeichen für eine nachlassende Wirtschaftsdynamik, so der Experte weiter. Zuletzt hätten sich die Einkaufsmanager-Indizes in der Eurozone nahe ihren historischen Hochs gezeigt und die europäischen Randstaaten allesamt positiv überrascht.
Ein weiterer Pluspunkt für Europa ist laut Matejka, dass die hiesigen Bankenaktien begännen, ihre amerikanischen Konkurrenten zu überflügeln. Die Anspannung am europäischen Finanzierungsmarkt habe abgenommen, nachdem die jüngsten Banken-Stresstests und Nachrichten zu den geplanten Änderungen der Eigenkapitalregeln für Finanzinstitute, die unter dem Begriff "Basel III" laufen, die Unsicherheit über deren kurzfristigen Kapitalbedarf zerstreut hätten.
Bewertungstechnisch sieht der Analyst nicht nur für die europäischen Finanztitel, sondern für den gesamten Aktienmarkt weiteres Aufwärtspotenzial. Die Bankenaktien würden im Schnitt immer noch unter ihrem Buchwert gehandelt und seien um 21 Prozent günstiger als die Titel der US-Konkurrenz zu haben, hob Matejka hervor. Dazu sieht er das Kurs-Gewinn-Verhältnis für europäische Aktien insgesamt bei 10,7, was 13 Prozent niedriger sei als bei US-Papieren. Die durchschnittliche Dividendenrendite sei in Europa mit 3,5 Prozent ebenfalls deutlich besser als die 2 Prozent in den USA.
Innerhalb Europas sieht Matejka nach der vergleichsweise starken Entwicklung des Dax allerdings bei französischen, italienischen und spanischen Aktien mehr Luft nach oben und hat deshalb keine Präferenz mehr für den deutschen Leitindex. Auch das nur geringe Gewicht der von ihm übergewichteten Finanztitel spricht nach Einschätzung des Experten derzeit gegen den Dax. Zum Wiedereinstieg in den Schwellenländern verwies er darauf, dass sich im zweiten Halbjahr das Verhältnis zwischen Wachstum und Inflation verbessern sollte. Dazu kämen Signale aus China, die auf eine marktfreundlichere Haltung hoffen ließen./gl/la
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