Microsoft-Manager soll Nokias Probleme lösen - Kurs steigt (3)
Zeit: 10.09.10 13:45
(neu: Aussagen aus Pressekonferenz, Analystenkommentare)
ESPOO (dpa-AFX) - Ein Microsoft-Manager soll die Probleme des angeschlagenen Handyherstellers Nokia (NOK1V.HSE) (NOA3.ETR) lösen. Der Kanadier Stephen Elop wird bereits am 21. September seinen Posten als neuer Chef beim weltgrößten Handy-Konzern antreten. Der ausbleibende Erfolg im Smartphone-Geschäft wurde dem bisherigen Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo damit endgültig zum Verhängnis. Für die Finnen ist es eine Premiere: Zum ersten Mal holt Nokia damit einen Manager von außen an die Spitze des Konzerns, der zudem auch kein Finne ist. An der Börse wurde der Wechsel mit einem Kursplus von knapp fünf Prozent begrüßt.
Nokia ist zwar nach wie vor der weltweit größte Handyhersteller, hatte aber in den vergangenen Monaten mit sinkenden Marktanteilen und rückläufigen Gewinnen zu kämpfen. Es sei an der Zeit, die Erneuerung des Unternehmens voranzutreiben, sagte Verwaltungsratschef Jorma Ollila laut Mitteilung am Freitag. Ollila stand selbst mehr als zehn Jahre an der Spitze von Nokia und machte den einstigen Gummistiefel-Produzenten zum größten Handykonzern.
Jetzt übergibt er den Führungsposten an den Microsoft-Manager (MSF.FSE) (MSFT.NAS) Elop. Er habe die richtige Erfahrung und Führungskompetenz, um das ganze Potenzial von Nokia heben, zeigte sich Ollila überzeugt. Knapp vier Monate dauerte die Suche nach dem neuen Chef.
'FRISCHES BLUT'
Elop war seit 2008 Chef der Geschäftskundensparte beim Softwarekonzern Microsoft. Zuvor arbeitete er für bekannte Namen wie Juniper Networks, Adobe Systems (ADB.FSE) (ADBE.NAS) und Macromedia. Er wolle das Unternehmen durch diese Zeit des grundlegenden Wandels führen und das Unternehmen zu langfristig profitablem Wachstum bringen, kündigte Elop vor Journalisten an. Er bringt nicht nur Erfahrung im Softwaregeschäft mit, sondern hat auch bei Microsoft schon kräftig umgebaut. Außerdem nimmt er den US-Markt ins Visier, wo Nokia erheblichen Nachholbedarf hat.
"Ein bisschen frisches ausländisches Blut tut Nokia gut", findet IDC-Analyst Nick MqQuire. Doch schon melden sich erste Zweifler. "Ich bin nicht überzeugt, dass er die beste Wahl ist", sagte Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Sie habe Elop nicht gerade als Visionär kennengelernt. Elop wird ihrer Meinung nach vor allem Entscheidungen im operativen Geschäft treffen. "Er ist nicht derjenige der, tolle Design-Lösungen einbringen wird."
Doch genau das ist das Problem von Nokia im hart umkämpften Markt der Multifunktions-Handys: Die Geräte von Konkurrenten wie Apple (AAPL.NAS) (APC.ETR) und Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM) (RIMM.NAS) (RI1.FSE), aber auch die mit der Google (GOOG.NAS) (GGQ1.ETR)-Software Android ausgestatteten Smartphones erfreuen sich großer Beliebtheit. In diesem Jahr musste Kallasvuo bereits zwei Gewinnwarnungen für das Handygeschäft ausgeben und räumte Defizite und Versäumnisse insbesondere bei den teureren Smartphones ein. Der Start der neuen Software Symbian 3 verzögerte sich zuletzt.
HOFFNUNG AUF SOFTWARE-ERFAHRUNG
Analysten hoffen jetzt auf Elops Software-Erfahrung. Nokia müsse sich darauf konzentrieren, eine bessere Software und Dienste um ihre Geräte herum anzubieten, sagte IDC-Analyst McQuire. Das könnte Elop möglicherweise richten.
Ob der Kanadier alle Probleme von Nokia einfach wegwischen kann, bleibt hingegen abzuwarten. Denn - wie Gartner-Analystin Milanesi feststellt: Auch Microsoft habe bislang seine Schwierigkeiten, sich auf die neue bunte Welt der Apps und mobilen Endgeräte einzustellen. Und Elop muss sich erst einmal in das Thema einarbeiten.
Gelegenheit dazu hat er auf der Nokia-Hausmesse Nokia World, die diesen Dienstag in London stattfindet. Dort soll eine ganze Reihe neuer Geräte vorgestellt werden - bereits ohne Kallasvuo. Der Chef der Handysparte, Anssi Vanjokki, der selbst zeitweise als Nachfolger gehandelt wurde, wird die Geräte präsentieren. Ob Elop auf die Bühne kommt, steht laut einer Sprecherin noch nicht fest. Alle Augen richten sich derzeit auf das neue Smartphone namens N8 - es könnte nach Einschätzung mancher Analysten endlich den lang ersehnten Durchbruch im Kampf gegen die Konkurrenz bringen./ang/wiz/tw
--- Von Annika Graf, dpa-AFX ---
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