Auto-Boom dank Abwrackprämie geht zu Ende - Export bleibt schwach
Zeit: 04.08.09 16:50
FLENSBURG/FRANKFURT (dpa-AFX) - Der staatlich geförderte Auto-Boom geht allmählich zu Ende. Dank der Abwrackprämie lag im Juli die Zahl der Neuzulassungen mit knapp 340.000 Wagen zwar noch fast 30 Prozent über dem Vorjahresniveau, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Dienstag in Flensburg mitteilte. Im Juni hatte das Plus allerdings noch 40 Prozent betragen. Experten gehen davon aus, dass der von der Politik ausgelöste Nachfrage-Höhepunkt überschritten ist und 2010 der Absturz folgt. Vor allem der Export bleibt schwach. Das Minus bei der Produktion, auf das viele Hersteller mit Kurzarbeit reagiert hatten, wird inzwischen kleiner. Eine Abwrackprämie nach deutschem Vorbild sorgte im Juli auch in den USA für einen Schub am Automarkt.
In Deutschland hat die Autoproduktion wegen der starken Nachfrage im Inland und dem anziehenden Auslandsgeschäft erstmals seit Herbst 2008 fast wieder das Vorjahresniveau erreicht. Im Juli betrug das Minus nur noch fünf Prozent, im ersten Quartal war die Produktion um 30 Prozent eingebrochen. Verbands-Präsident Matthias Wissmann sprach von einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau. "Zweifellos wird es aber noch einer längeren Strecke bergauf bedürfen, bevor wieder weltweit Verkaufs- und Produktionszahlen wie 2007 und 2008 erreicht werden", sagte Wissmann laut einer Mitteilung des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).
ZEHNJAHRESHOCH IN DEUTSCHLAND
Die Neuzulassungen legten in den ersten sieben Monaten des Jahres um fast 27 Prozent zu. 2009 dürfte die Prämie den Autoabsatz in Deutschland auf ein Zehnjahres-Hoch von 3,5 Millionen Neuzulassungen treiben. Besonders profitieren konnten im Juli Kleinwagen-Hersteller wie Lada, Hyundai Motor(HYUD.SQ1) (HYU.FSE) und Fiat (F.AFF) (FIAT.FSE), die ihren Absatz mehr als verdoppelten. Sorge bereitet nach wie vor der Export, der schwach bleibt. Mit knapp 290 000 Wagen wurden im Juli 12 Prozent weniger Wagen ausgeführt, von Januar bis Juli zusammen lag der Wert laut VDA 31 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Der Abwrackprämien-Topf der Bundesregierung in Höhe von fünf Milliarden Euro wird nach Erkenntnissen von Regensburger Wissenschaftlern kurz vor der Bundestagswahl ausgeschöpft sein. Derzeit reiche das Geld noch für rund 300.000 Anträge, insgesamt sollen zwei Millionen Käufer davon profitieren. Das Sonderprogramm der Bundesregierung zur Ankurbelung des Autoabsatzes werde unmittelbar vor dem Wahltag am 27. September enden, prognostizierten die Ökonomen Christian Hutter und Enzo Weber in einer der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Studie. Die Abwrackprämie von 2.500 Euro erhält jeder Neuwagenkäufer, die seinen mindestens zehn Jahre altes Auto verschrottet.
OBERE MITTELKLASSE MIT GRÖSSTEN RÜCKSCHLÄGEN
Von der Abwrackprämie profitierte vor allem Hersteller von Klein- und Kompaktwagen. Die höchsten Zuwächse erzielte in den ersten sieben Monaten das Mini-Segment mit plus 144 Prozent vor Kleinwagen mit 68 Prozent. Sportwagen mit einem Minus von 29 Prozent und die obere Mittelklasse (minus 23 Prozent) hatten dagegen die größten Einbußen zu verzeichnen. Von den deutschen Marken profitierte Ford mit einem Zuwachs von knapp 50 Prozent am stärksten. Auch der angeschlagene Hersteller Opel lag mit einem Plus von 33 Prozent gut im Markt, ebenso Marktführer Volkswagen (VOW.ETR) (VOW3.ETR) mit plus 31 Prozent. Dagegen schaffte Audi (NSU.FSE) nur einen hauchdünnen Zuwachs um 0,6 Prozent.
Unter den Edel-Marken wurde Mercedes mit einem Absatzverlust von fast 17 Prozent am stärksten gebeutelt, während Porsche (PAH3.ETR) etwas mehr als 10 Prozent einbüßte. Bei BMW (BMW.ETR)/Mini belief sich das Absatzminus auf 9,5 Prozent.
Auf dem US-Markt zeichnet sich eine Trendwende ab. Ford hat im Juli erstmals seit fast zwei Jahren wieder mehr Autos verkauft als ein Jahr zuvor. General Motors (GM) (GMGMQ.PK) (GMC.FSE), Chrysler und der globale Branchenprimus Toyota (TYT.SQ1) (TOM.FSE) bremsten ihre US-Talfahrt zumindest deutlich ab. Die Branche verkaufte so viele Autos wie seit August 2008 nicht mehr. Die deutschen Autobauer profitierten aber nur zum kleinen Teil von der US-Abwrackprämie. Als einziger großer deutscher Hersteller legte Volkswagen in den USA im Juli ganz leicht um 0,7 Prozent auf 20 590 Wagen zu. Daimler (DAI.ETR), BMW, Audi und Porsche fuhren dagegen bergab - alle außer BMW jedoch zumindest nicht so steil wie zuletzt./mt/gi/dct/nl
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