Stromnetze ohne Vollschutz – was heißt das für Versorger-Aktien?

E.ON-Chef Leonhard Birnbaum hat diese Woche klargemacht: Stromnetze lassen sich nicht vollständig vor Angriffen schützen. Sein Vergleich: Wie beim Einbruchsschutz eines Hauses kann man es Tätern schwerer, aber nicht unmöglich machen. Hintergrund sind mutmaßliche Sabotagefälle – ein Brand an einem Umspannwerk in Reutlingen sowie Brandanschläge auf Berliner Stromanlagen mit mehrtägigen Ausfällen.
Für Anleger in Versorger-Aktien wie E.ON wirkt das erstmal beunruhigend: Wie sicher ist ein Investment in Unternehmen, deren Kerngeschäft – laut eigenem Chef – angreifbar bleibt?
Die Antwort ist entspannter, als man denkt. Netzbetreiber unterliegen der Anreizregulierung: Die Bundesnetzagentur legt mehrjährig fest, welche Erlöse erlaubt sind – unabhängig davon, ob ein Umspannwerk gerade ausfällt. Ein lokaler Sabotageakt trifft primär die Versorgungssicherheit vor Ort, nicht direkt die Konzernzahlen.
Dazu kommt die Größe: Bei Hunderttausenden Kilometern Netz ist ein einzelner Anschlag nur ein winziger Ausschnitt der Gesamtinfrastruktur – und Versicherungen decken einen Teil der Schäden.
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Es gibt sogar eine paradoxe Wendung: Mehr Investitionen in Härtung und Resilienz vergrößern die regulatorische Vermögensbasis – und damit potenziell die erlaubte Verzinsung. Steigender Sicherheitsbedarf wird so teilweise zu regulatorischem Wachstum.
Was bleibt, ist das echte Tail-Risk: ein großflächiger, koordinierter Angriff mit Kaskadeneffekten quer durchs Netz – kaum seriös einpreisbar. Für die Bewertung von Versorger-Aktien heißt das: Einzelne Sabotagefälle sind eher ein Belastungstest für die Resilienz als ein unmittelbares Kursrisiko. Das große, unkalkulierbare Szenario bleibt aber ein Unsicherheitsfaktor im Hinterkopf.
Dies ist keine Anlageberatung. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden.