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Börsenplatz wählen: Xetra, Tradegate & Co. im Vergleich

Wer eine Aktie kaufen will, steht im Online-Depot plötzlich vor einer Liste: Xetra, Börse Frankfurt, Stuttgart, München, Tradegate, gettex. Für viele Privatanleger ist die Wahl ein Klick ins Ungewisse – dabei kann der richtige Handelsplatz bares Geld sparen. Ein Überblick, worauf es ankommt.

Zwei Welten: Computerbörse und Market Maker

Grundsätzlich lassen sich die Plätze in zwei Gruppen teilen. Auf der einen Seite steht Xetra, die vollelektronische Leitbörse der Deutschen Börse. Hier entsteht der Kurs aus den Aufträgen aller Teilnehmer, die im Orderbuch zusammenlaufen – das sorgt für die höchste Liquidität und die engsten Spreads bei deutschen Aktien und ETFs. Xetra gilt als Referenzmarkt, an dem sich die anderen Plätze orientieren.

Auf der anderen Seite stehen Handelsplätze wie Tradegate, gettex oder die Regionalbörsen. Dort stellt meist ein einzelner Market Maker (oder „Spezialist”) die Kurse und tritt als Gegenseite auf. Der Vorteil: längere Handelszeiten und für Privatanleger oft keine gesonderten Börsengebühren. Der Nachteil: Außerhalb der Xetra-Zeiten, wenn der liquide Referenzmarkt fehlt, kann der Spread spürbar breiter werden.

Der Spread – die versteckte Kostenfalle

Der wichtigste Begriff dabei ist der Spread: die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Je enger, desto günstiger für den Anleger. Bei einem liquiden Standardwert zur Haupthandelszeit ist der Spread auf Xetra meist am engsten. Handelt man denselben Titel abends um 21 Uhr über einen Market-Maker-Platz, kann die Spanne deutlich weiter ausfallen – und dieser Aufschlag kostet oft mehr, als man an Ordergebühren spart.

Die wichtigste Neuerung: Xetra handelt länger

Lange war das stärkste Argument für die Market-Maker-Plätze ihre lange Öffnungszeit. Das hat sich seit Dezember 2025 relativiert: Die Deutsche Börse hat einen Früh- und einen Späthandel für Privatanleger eingeführt. Neben dem Kernhandel von 9:00 bis 17:30 Uhr können Privatanleger nun auch von 8:00 bis 8:55 Uhr und nach Börsenschluss bis 22:00 Uhr auf Xetra ordern. Wichtig zu wissen: In diesen Randzeiten handeln nur Privatanleger gegen wenige Liquiditätsspender – die Spreads sind also nicht automatisch so eng wie im Kernhandel.

Wann also welcher Platz?

Als Faustregel lässt sich festhalten: Für liquide Standardwerte und größere Orders zur Haupthandelszeit (9:00 bis 17:30 Uhr) ist Xetra meist die erste Wahl – beste Liquidität, engste Spreads. Für kleinere Orders, für Anleger, die abends nach Feierabend handeln wollen, oder bei Neobrokern, die gettex oder Tradegate als Standard setzen, sind die Market-Maker-Plätze eine praktische und oft gebührenfreie Alternative. Bei Sparplänen erübrigt sich die Frage ohnehin: Hier bestimmt in der Regel der Broker den Handelsplatz.

Fazit: Den einen „besten” Börsenplatz gibt es nicht – die Wahl hängt von Ordergröße, Uhrzeit, Wertpapier und Broker ab. Die wichtigste Regel ist aber einfach: Wer zur Xetra-Kernhandelszeit handelt, bekommt bei den meisten Werten die fairsten Kurse. Und wer außerhalb dieser Zeiten ordert, sollte vor dem Klick kurz auf den Spread schauen – dort entscheidet sich oft mehr als bei der reinen Ordergebühr.

Dies ist keine Anlageberatung. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden.